Die zentrale Aussage dieser Kampagne ist überprüfbar: Plattformen kontrollieren die Arbeit der Kuriere, entziehen sich aber über Subunternehmerketten ihrer Verantwortung. Die Forderung nach Direktanstellung stützt sich auf benannte Quellen, öffentliche Anhörungen und dokumentierte Fälle.
1. Arbeitskontrolle oben, Haftung unten
Lieferplattformen legen Arbeitsabläufe, Leistungsdruck und operative Standards fest. Gleichzeitig werden Lohn- und Arbeitgeberpflichten auf Subunternehmen und teils nicht greifbare "Fleet Partner" abgeschoben. Genau diese Trennung zwischen Kontrolle und Verantwortung ist der Kern des Problems.
Quellen: RBB / Tagesschau, 2.12.2025; Bundestagsprotokoll 21/56; Plenarprotokoll Berlin 19/74.
2. Es gibt dokumentierte Hinweise auf systematische Ausbeutung
- Ausbleibende Löhne, fehlende Sozialabgaben und Scheinfirmen werden in investigativen Recherchen und politischen Debatten als wiederkehrendes Muster beschrieben.
- In der öffentlichen Anhörung im Berliner Abgeordnetenhaus am 5. März 2026 wurden Subunternehmerstrukturen als Vollzugsproblem, Rechtsproblem und Einfallstor für Missbrauch beschrieben.
- Die Forderung nach Direktanstellung wird nicht nur von Aktivisten, sondern auch von Ministerinnen, Abgeordneten und arbeitsrechtlichen Stimmen öffentlich vertreten.
Quellen: Anhörung des Ausschusses für Arbeit und Soziales des Berliner Abgeordnetenhauses, 5.3.2026; Äußerungen von Karl-Josef Laumann (CDU); Stellungnahme von Cansel Kiziltepe.
3. Selbst die Mindeststandards für faire Arbeit werden verfehlt
Der Fairwork-Report zu Deutschland (2025) gibt Uber Eats und Wolt 0 von 10 Punkten und hält ausdrücklich fest, dass das Subunternehmermodell faire Arbeitsstandards nicht sicherstellt. Aus Sicht der Kampagne ist das kein Randproblem, sondern ein struktureller Beleg dafür, dass das Modell politisch begrenzt werden muss.
Quelle: Fairwork Germany Ratings 2025.
4. Es geht nicht nur um Löhne, sondern auch um Verantwortung
- Datenschutz: Öffentliche Verfahren und Recherchen zeigen, wie Plattformen Bewegungsdaten eng erfassen, während Verantwortlichkeiten für Verstöße oft zerfasern.
- Lebensmittelsicherheit: Wenn Transport, Ausrüstung und Arbeitgeberpflichten über mehrere Ebenen ausgelagert werden, wird effektive Kontrolle schwieriger.
- Rechtsdurchsetzung: Wenn der formale Arbeitgeber verschwindet, bleiben Beschäftigte mit offenen Ansprüchen zurück.
Quellen: netzpolitik.org Hintergrundbericht; RBB / Tagesschau.
5. Warum Direktanstellung die politische Schlussfolgerung ist
Direktanstellung löst nicht jedes Problem automatisch. Aber sie beendet das zentrale Ausweichmanöver: Plattformen können sich dann nicht mehr hinter Subunternehmen verstecken, obwohl sie die Arbeit steuern. Verantwortung, Kontrolle und Arbeitgeberpflichten würden wieder zusammenfallen.
Benannte Quellen auf einen Blick
- RBB / Tagesschau Investigativ: Lieferdienste und Subunternehmer, 2. Dezember 2025
- Öffentliche Anhörung des Berliner Ausschusses für Arbeit und Soziales, 5. März 2026
- Plenarprotokoll Berlin 19/74
- Bundestagsprotokoll 21/56
- Fairwork Germany Ratings 2025
- netzpolitik.org: Hintergrundbericht zu Lieferando, Wolt & Co.